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Paderborn. Rund 40 Prozent der Hausärzte im Kreis Paderborn sind über 60 Jahre alt. Viele niedergelassene, allgemeinmedizinische Praxen werden in den kommenden Jahren altersbedingt einen Nachfolger suchen. Gleichzeitig fehlt es an medizinischem Nachwuchs. Im Kreis Paderborn gibt es ab sofort ein Rund-um- Sorglospaket für alle angehenden Allgemeinmediziner. Hausärzte und Krankenhäuser haben dazu einen Weiterbildungsverbund (wbv) Allgemeinmedizin Paderborn gegründet, um die fünfjährige Facharztausbildung so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten. Dazu zählt neben einer fundierten Weiterbildung mit individuell wählbaren Bausteinen auch die Hilfestellung bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung und Jobsuche für die Partnerin oder den Partner. Ziel des wbv ist es, die medizinische und hausärztliche Versorgung im Kreis Paderborn auch in Zukunft sichern. Mit der feierlichen Vertragsunterzeichnung und gleichzeitiger Onlinestellung des dazugehörigen Portals ist jetzt der Startschuss für die Akquise und Bindung von Hausärzten für den Kreis Paderborn gefallen.   Der neue Verbund ist eine Kooperation zwischen dem Praxisnetz Paderborn, einem Zusammenschluss von über 100 niedergelassenen Ärzten, und den fünf Krankenhäusern Brüderkrankenhaus St. Josef, Ev. Krankenhaus St. Johannisstift, St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, LWL Kliniken Paderborn und MZG in Bad Lippspringe. Unterstützt wird der Verbund zudem vom Kreis Paderborn. Landrat Manfred Müller hat die Schirmherrschaft übernommen.   Die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner dauert fünf Jahre. Drei davon sind im Krankenhaus, zwei in einer niedergelassenen Praxis zu absolvieren. Um später für das breite Spektrum eines Hausarztes gewappnet zu sein, müssen angehende Allgemeinmediziner im Krankenhaus sechs- bis neunmonatige Weiterbildungszeiten in der Chirurgie, der Inneren Medizin und idealerweise auch anderen Fachdisziplinen absolvieren. Bislang mussten sich die Kandidaten immer wieder neu in den einzelnen Abteilungen bewerben. Ein schwieriges Unterfangen: Einerseits ist nicht gewährleistet, dass zur benötigten Zeit die passende Stelle frei ist. Andererseits stellen Chefärzte lieber Assistenten ein, die länger als nur einige Monate in ihrer Abteilung bleiben. Schließlich ist ein Arzt für die Abteilung umso wertvoller, je länger er dort arbeitet. „Der Verbund bietet jungen Medizinern nun ein individuelles Rundum-Sorglospaket für ihre Facharztausbildung“, erklärt Dr. Ulli Polenz, zweiter Vorsitzender des Praxisnetzes, der den Verbund initiiert hat. „Der Bewerbungsmarathon hat ein Ende. Der Bewerber bewirbt sich einmal und bekommt einen festen Vertrag für die gesamte Dauer seiner Weiterbildung. Die Ausbildungsabschnitte kann er sich aus dem breiten Angebot aller teilnehmenden Kliniken flexibel zusammenstellen.“ Dafür habe jedes Krankenhaus eine zusätzliche abteilungsübergreifende Assistenzarztstelle eingerichtet. Durch regelmäßige Hospitationen und die Ausbildungszeit in der Praxis kann der Bewerber darüber hinaus sogar schon die Praxis kennenlernen, in der er als Hausarzt auf Dauer arbeiten kann“, so Polenz.   Bereits jetzt fehlen 160 neue Allgemeinmediziner pro Jahr in OWL, um die Lücke in der Hausarztversorgung zu schließen. Das Praxisnetz hat sich daher an die Krankenhäuser gewandt, um im gemeinsamen Verbund attraktive Rahmenbedingungen in Paderborn zu schaffen. Alle beteiligten Krankenhäusern betonen einstimmig ihr großes Anliegen, sich gemeinsam mit dem Praxisnetz gegen den Ärztemangel zu engagieren, um die Grundversorgung vor Ort zu sichern.   „Wir möchten werdende Ärzte für den Kreis Paderborn so begeistern, dass sie ihre Ausbildung zum Allgemeinmediziner vor Ort absolvieren und sich anschließend in unserer Region niederlassen“, betont Landrat und Schirmherr Manfred Müller. Eine verlässliche medizinische Versorgung, sowohl ambulant als auch stationär, „bedeutet Lebensqualität, wie wir sie uns hier auf dem Lande wünschen“, bekräftigt Müller.   Mit der Vertragsunterzeichnung startet deshalb zeitgleich die passende Kampagne „Meine Art, Arzt zu sein. Gefunden und gefördert in Paderborn“. Grundpfeiler der Kampagne ist ein Web-Portal, auf dem Interessenten alle wichtigen Infos zum Ablauf der Weiterbildung finden, Ansprechpartner, Bewerbungsverfahren und zum Leben und Arbeiten im Kreis Paderborn. Interessierte Bewerber können sich dort nicht nur informieren, sondern auch gleich online bewerben. Einen ersten Erfolg gibt es bereits: Nur wenige Stunden nach dem „Scharfschalten“ der Internetseite traf die erste Bewerbung aus Schleswig-Holstein ein.

06weiterbildungsverbund

Nicht rumdoktern sondern losfördern: Feierliche Vertragsunterzeichnung des wbv Allgemeinmedizin Paderborn. Hintere Reihe – von links nach rechts: Landrat und Schirmherr Manfred Müller, Dr. Ulli Polenz, Sprecher und Initiator des wbv Allgemeinmedizin Paderborn, vordere Reihe – von links nach rechts: Martin Wolf, Vorstandssprecher St. Johannisstift, PD Dr. Christine Norra, Ärztliche Direktorin LWL-Klinik Paderborn, Johannes Westermann, Geschäftsführer St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, Achim Schäfer, Geschäftsführer Medizinisches Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe GmbH, Dr. Rudolf Jopen, Prasxisnetz Paderborn, Siegfried Rörig, Kaufmännischer Direktor Brüderkrankenhaus St. Josef.

Foto: Kreis Paderborn

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