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Der Bundesrat hat jetzt dem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Verordnung von Cannabis für Schwerkranke ermöglicht. Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe, Palliativmediziner aus Bad Lippspringe, lobt die Neuregelung. Und hat ein eigenes Statement dazu verfasst: „Der Einsatz von Cannabis-Produkten in der Medizin ist seit langem ein Thema kontroverser Diskussionen. Während in der Kinderheilkunde mit diesen Produkten durchaus gute Erfahrungen gemacht werden, so z.B. um Unruhezustände und spastische Muskelverkrampfungen zu lösen, ist der Einsatz bei Erwachsenen nur für sehr wenige Indikationen einigermaßen gesichert und in den Ländern der Europäischen Union und den USA in verschiedenen Rezepturen verfügbar. Jetzt hat der Gesetzgeber entschieden, Cannabinoide zur Verordnung freizugeben und zudem die Erstattungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung festgelegt. Für den Gesetzgeber ist dies ein großer Schritt, weil viele Mythen um den Gebrauch, aber auch Missbrauch von Cannabinoiden in der Bevölkerung bestehen. Für uns Ärzte ist mit Cannabinoiden jedoch ein weiteres Werkzeug zur Verfügung gestellt worden, mit dem wir nicht nur innerhalb einer Klinik, sondern nun auch im ambulanten Bereich arbeiten können. Was sind die Indikationsbereiche, bei denen Cannabinoide eingesetzt werden können, welche Rezepturen liegen vor und was muss man hierzu wissen? In der Palliativmedizin können Cannabinoide in Form von Donabinol-Tropfen (ölig, mit einem Butterkeks einzunehmen) oder als Kapseln in steigenden Dosierungen eingenommen werden, um nach erfolglosem Einsatz üblicher Arzneimittel und anderer Verfahren so genannte „Symptom-Cluster“ zu behandeln. Symptom-Cluster sind mehrere, miteinander im Zusammenhang stehende subjektiv vom Patienten wahrgenommene Missempfindungen. Sie können aus Schmerzen, Appetitlosigkeit, Unruhe und dysphorischen (bedrückten, traurigen) Zuständen bestehen. Cannabinoide werden in der Regel nicht als erstes Mittel bei einem solchen Symptom-Cluster eingesetzt und auch nur in Ergänzung zu oder an Stelle von Opioiden, wenn diese in höheren Dosisbereichen zu keiner zufriedenstellenden Symptomkontrolle führen. Durch vorsichtige Dosiserhöhung und enge Beobachtung des Patienten auf unerwünschte Wirkungen (Dysphorie, Psychose etc.) können Cannabinoide sicher eingesetzt werden. In Ausnahmefällen sollen Patienten auch Anspruch auf im Ausland zugelassene Fertigarzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabinol erhalten. Es wurde eine entsprechende Novelle durch den Bundestag verabschiedet, die im März 2017 in Kraft treten soll. In dieser Novelle ist unter anderem geregelt, dass im Falle einer Ablehnung durch die Krankenkasse diese beweisen muss, warum gerade in dem besagten Fall Medizinalhanf nach ihrer Auffassung keine angemessene Therapie ist. Cannabinoide haben ihren Preis. Deswegen ist es ein richtiger und wichtiger Schritt, sie nun durch die gesetzliche Krankenversicherung bezahlen und durch sach- und fachkundige Ärzte verordnen zu lassen.“

Info: Prof. Dr. med. Dr. rer.nat. (USA) Andreas S. Lübbe ist Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie; Sozialmedizin; Rehabilitationswesen und Palliativmedizin. Er ist Chefarzt der Cecilien-Klinik Bad Lippspringe, einer Onkologischen Schwerpunktklinik für Anschlussrehabilitation, sowie Chefarzt der Palliativstation der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe.

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Prof. Dr. med. Dr. rer.nat. (USA) Andreas S. Lübbe.

Foto: MZG-Archiv

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