15.11.2010

Essen am Lebensabend bewusst planen

Palliativmedizin hat viele Facetten. Dementsprechend breit gefächert sind die Bedürfnisse von Schwerstkranken in ihrer letzten Lebensphase. Ein wesentlicher Aspekt ist die Ernährung.
Diesem Thema widmete sich die traditionelle Fortbildungsveranstaltung des Vereins Pallium – Lebensqualität für Krebsbetroffene e.V. Dessen Vorsitzender, Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas S. Lübbe, ist gleichzeitig Leiter der Palliativstation in der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe. Der Mediziner hatte mit Prof. Dr. med. Helmut Heseker, Ernährung und Verbraucherbildung im Department Sport & Gesundheit, Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Paderborn, und Dr. med. Heribert Kaiser, Klinik für Innere Medizin II (Hämatologie, Onkologie, Gastroenterologie) Städtisches Klinikum Gütersloh zwei ausgewiesene Experten eingeladen.
Gemeinsam beleuchteten sie die besonderen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Palliativmedizin.
„Wenn der Patient selbst keine Hunger- und Durst-Gefühle entwickelt haben viele Angehörige Angst, dass der Betroffene verdurstet oder verhungert”, sagt Andreas S. Lübbe. Hier gelte es, zu informieren und gemeinsam die für den Patienten beste Lösung zu finden.
„Eine Ernährung bis zum letzten Atemzug ist nicht immer erforderlich”, sagte Helmut Heseker. Dagegen könnte eine künstliche Ernährung mittels einer Sonde den Betroffenen sogar belasten und zu Komplikationen führen.
Heribert Kaiser bewertete das Bestreben der Industrie, die künstliche Ernährung zu forcieren, als sehr kritisch. Das zeitaufwändige Füttern belaste zudem die Pflegekräfte.
Die Experten waren sich einig, dass der Wunsch der Betroffenen selbst maßgeblich sei. Das Pflegepersonal könne dann beratend zur Seite stehen.
Im ambulanten Palliativnetzwerk für die Kreise Paderborn und Höxter betreut Andreas S. Lübbe mit seinen Mitarbeitern jährlich rund 500 Patienten. In Deutschland versterben 880.000 Menschen; etwa 250.000 davon infolge eines Tumorleidens.

Essen am Lebensabend bewusst planen

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas S. Lübbe (links) und Prof. Dr. med. Helmut Heseker freuten sich über die große Resonanz auf die Veranstaltung.
Foto: Heiko Appelbaum