20.08.2010

Phänomen Nachurlaubsstress

Drei Wochen Strandurlaub, die Seele sprichwörtlich baumeln lassen: In der schönsten Zeit des Jahres tanken viele Berufstätige Kraft für den Alltag. Doch der Erholungseffekt verpufft rasch. „Wer bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz vor einem Stapel unerledigter Aufgaben steht, bekommt gleich eine hohe Dosis Stress und der Körper gibt Alarmzeichen”, sagt Dr. Gerd Kötschau, Chefarzt der Auguste-Viktoria-Klinik, einer Fachklinik für Psychosomatik in Bad Lippspringe.
Zu den auftretenden Beschwerden gehören Migräne, Rückenschmerzen und Bluthochdruck. „Dass es sich hierbei um Stress-Beschwerden handelt, ist Vielen nicht klar”, sagt Dr. Gerd Kötschau. Dabei haben Untersuchungen jüngst ergeben, dass rund 85 Prozent der Rückenbeschwerden in Deutschland stressbedingt sind.
Daher gelte es nach Ansicht des Mediziners, den eigenen Stresspegel möglichst zu senken: „Früher war der Stress eine Überlebensreaktion, die kurzfristig Energie für die Flucht freisetzte. Heute leiden wir unter einer dauernden Anspannung und es fehlt oft körperliche Bewegung.”
Der Nachurlaubsstress sei eine extreme Ausprägung und beginne häufig schon vor der Ferienzeit. Planen, packen, Anreise und Ankunft, vielleicht zu hohe Erwartungen: Es dauert etwa eine Urlaubs-Woche, bis die Erholungsphase beginnt. Und einige Tage vor der Rückreise denken die meisten Menschen schon an ihre Heimkehr. „Bei einer vierzehntägigen Reise bleibt da nicht viel Zeit für richtige Erholung”, sagt Dr. Gerd Kötschau. „Und wenn dann zwischen Ankunft zuhause und erstem Arbeitstag nur eine Nacht liegt, ist das ein weiterer Stressfaktor.”
Der Chefarzt rät dazu, die Arbeit möglichst gut zu strukturieren und eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen. Dabei setzt er auch auf das Verständnis der Führungskräfte in Unternehmen. Autogenes Training und andere Entspannungstechniken, die er in Bad Lippspringe auch seinen Reha-Patienten beibringt, können ebenfalls Stress entgegenwirken. „Wenn es sich einrichten lässt, sollte man das Sprichwort „Abwarten, und eine Tasse Tee trinken.” beherzigen.” Wenn sich erste Anzeichen des Burn-Out-Syndroms zeigen, sei es meistens zu spät. Dann müsse man sich umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Ohnehin setzt Dr. Gerd Kötschau langfristig auf einen gesellschaftlichen Wandel: „Wir müssen mehr auf Innere Werte achten. Emotionale Stabilität und der Blick auf die eigene Gesundheit sind dabei sehr wichtig.”

Phänomen Nachurlaubsstress

Dr. Gerd Kötschau beschäftigt sich auch mit der Funktionsweise des menschlichen Gehirns.
Foto: Heiko Appelbaum