12.12.2011
„Augen auf beim Spielzeugkauf“
Knopfzellen, getrocknete Kamillenblüten, LEGO-Steine, Schmuckperlen – die Liste der Dinge, die Prof. Dr. Benedikt J. Folz im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit aus den Ohren, Nasen und Hälsen von Kindern ans Tageslicht geholt hat, ist lang. Vor allem an und nach den Weihnachtstagen kommen viele Eltern mit ihren Kindern in seine Klinik, weil „etwas in der Nase oder im Ohr steckt, was dort nicht hin gehört”.
Der Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe warnt in diesem Zusammenhang vor potenziell gefährlichen Weihnachtsgeschenken.
„Vor allem Kleinkinder stecken sich gerne Spielzeug in Mund, Nase und Ohr”, hat Folz beobachtet. Schuld daran sei die kindliche Neugier, da Kinder in den ersten Lebensjahren ihre Umwelt intensiv mit dem Mund erfahren. Die so genannte orale Phase dauert etwa bis zum Alter von drei Jahren.
Daher sind Hersteller von Spielzeug auch verpflichtet, entsprechende Warnhinweise auf ihre Produkte zu drucken. Hier nimmt der HNO-Arzt Eltern in die Pflicht: „Verschluckbare Kleinteile gehören nicht in die Reichweite von unbeaufsichtigten Kleinkindern.”
„Augen auf” heißt es auch beim Kauf von Spielzeug. „Es lohnt sich im Sinne der Gesundheit von Kindern auf Qualität zu achten”, sagt Prof. Dr. Benedikt J. Folz.
Andernfalls drohen ernsthafte Verletzungen. Knopfzellen, die unbemerkt in der Nase stecken bleiben, können zu Schleimhautverätzungen führen. Magnetspielzeug kann die Nasenscheidewand schädigen.
Daher sollten Kinder dazu ermutigt werden, sofort zu berichten, wenn sie ein Kleinteil verschluckt oder eingeatmet haben. „Aus Scham oder Angst vor Bestrafung schweigen Kinder oftmals”, sagt Folz. „Erziehungsberechtigte müssen daher in diesem Zusammenhang ein Vertrauensverhältnis aufbauen.”
Zur Weihnachtszeit sind es oft auch Nüsse und Mandeln, die unzerkaut verschluckt werden und dann schlimmstenfalls in der Luftröhre stecken bleiben. „Diese Lebensmittel gehören nicht in die Münder von Kleinkindern”, warnt der HNO-Chefarzt aus Bad Lippspringe.
Er appelliert außerdem, im Ernstfall einen Arzt zu konsultieren: „Wer selbst versucht, Gegenstände mit einer Pinzette aus der Nase zu ziehen, kann dem Kind schlimme Verletzungen zufügen. Die Fremdkörperentfernung gehört in die Hand des Experten. Dieser verfügt über die nötige Erfahrung, die richtigen Instrumente und nötigenfalls über einen Narkosearzt.”

Klein und gemein: Prof. Dr. Benedikt J. Folz hat in seiner beruflichen Laufbahn bereits zahlreiche Knopfzellen aus Kindernasen ans Tageslicht befördert.
Foto: Heiko Appelbaum
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