30.03.2011
12. Bad Lippspringer Tuberkulose-Tag mit über 200 Spezialisten
Laut der neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts hat im Jahr 2009 der Anteil der offenen Lungentuberkulosen wieder zugenommen. Vor über 200 Spezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet referierten jetzt unter Leitung von Dr. Christoph Schaudt, Chefarzt der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe, namhafte Referenten im Rahmen des 12. Bad Lippspringer Tuberkulosetages.
Bei weiterhin leicht abnehmenden in Deutschland erfassten Tuberkuloseinfektionen hat die Anzahl der offenen und damit ansteckenden Lungentuberkulosen wieder zugenommen. „Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, werden die zukünftigen Zahlen erst zeigen müssen”, sagt Dr. Christoph Schaudt. Die Experten waren sich einig, dass keine vermehrte Gefahr bezüglich einer Tuberkuloseinfektion besteht, jedoch mit größter Sorgfalt diese Problematik beobachtet werden muss. Eine besondere noch nicht absehbare Gefahr liege durch eine zunehmende medikamentöse Resistenzentwicklung in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, Afrika und Asien, da durch die Globalisierung infizierte Menschen nur noch eine Flugreise von Deutschland entfernt seien.
Außergewöhnliche, nicht nur die Lunge betreffende Tuberkuloseerkrankungen werden häufig erst spät diagnostiziert. Drei spezielle Verläufe aus dem vergangenen Jahr stellte Dr. Bettina Glunz, Oberärztin der Infektionsstation der Karl-Hansen-Klinik, eindrücklich vor. Entscheidend für einen Therapieerfolg sei das „Daran Denken“ bei Erkrankungen mit fehlender Besserung des Allgemeinzustandes unter gewöhnlicher antibiotischer Therapie.
In weiteren Vorträgen ging es neben diagnostischen Möglichkeiten und der Prävention auch über die mit dem Tuberkuloseerreger verwandten Mykobakteriosen, so beispielsweise über die Übertragung von Infektionen von Tieren, insbesondere Nagetieren, auf Menschen. Diese nicht-tuberkulösen Mykobakteriosen zeigen häufig dieselben Erkrankungserscheinungen wie die Tuberkulose. Im Gegensatz zur Tuberkulose ist jedoch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung hier nicht vorhanden.
In Deutschland gibt es nur wenige Infektionsabteilungen, die Patienten mit ansteckenden Tuberkulosen aufnehmen. Dazu gehört die Einrichtung der Karl-Hansen-Klinik in Bad Lippspringe, in der auch alle anderen Infektionskrankheiten behandelt werden.

Dr. Christoph Schaudt leitete den 12. Bad Lippspringer Tuberkulosetag.
Foto: privat
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