02.09.2011

Palliativmediziner setzt auf schmerzlindernde Wirkung

Vor rund 200 Jahren hat der Apotheker Friedrich Sertürner in Paderborn das Morphin isoliert; er gilt als „Erfinder” dieses weit verbreiteten Schmerzmittels. Morphin gehört zu den Opioiden und wird bei unterschiedlichen chronischen Krankheiten eingesetzt, zum Beispiel bei orthopädischen Leiden oder Tumorerkrankungen. Im Rahmen einer Untersuchung hat dies der Ärztliche Direktor des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) und Leiter der Palliativstation in der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe, Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe, festgestellt. Noch immer haben viele Patienten Angst und sind mit der Einnahme zurückhaltend, wenn ihnen ihr Arzt Opioide verordnet.
„Es sind vor allen Dingen drei Ängste, die den Patienten zu schaffen machen und sie davon abhalten, ihr Schmerzpflaster oder die Morphintablette regelmäßig zu nehmen”, sagt Prof. Lübbe. „Da ist zum einen die Angst, von den Opioiden abhängig zu werden.” Tatsächlich aber sei eine psychische Abhängigkeit von Opioiden bei Patienten, die diese Substanzen gegen chronische Schmerzen einnehmen, in großen Studien widerlegt worden.
„Es gibt zwar eine körperliche Abhängigkeit, so dass Opioide nicht von heute auf morgen, sondern nur schrittweise abgesetzt werden können”, sagt der Mediziner. „Aber das ist bei vielen anderen Arzneimitteln auch der Fall.”
Die zweite große Sorge der Patienten und Anwender ist, dass die Substanzen vom Körper nicht gut vertragen würden. Tatsächlich aber gehören Opioide nach den Worten von Prof. Lübbe zu den bestverträglichen Arzneimitteln und können auch über Jahre hinweg bedenkenlos eingesetzt werden, wenn man ein paar Anwendungshinweise beachtet. Die zu Beginn auftretende Müdigkeit vergeht nach ein paar Tagen, so dass Patienten, wenn sie richtig auf Opioide eingestellt sind, mit dem Auto fahren können und dürfen.
Die dritte große Sorge wird meist nicht von den Patienten zum Ausdruck gebracht. „Viele denken, wenn man Morphium nehmen muss (eine von vielen Opioiden), dann sei es schon zu spät und man müsse sterben. Das ist jedoch mitnichten der Fall”, so der Palliativmediziner. „Opioide gehören, wie viele andere Medikamente zum Arsenal, um die Beschwerden von Patienten mit chronischen Leiden zu lindern, und sollten daher, wenn sie vom Arzt verordnet worden sind, regelmäßig und bedenkenlos zu sich genommen werden.”

Palliativmediziner setzt auf schmerzlindernde Wirkung

Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe will den Patienten die Angst vor Opioiden nehmen.
Foto: MZG-Archiv, Braun