09.02.2012
Der Künstler aus der Klinikküche
Er ist immer auf der Suche nach etwas Besonderem. Und als gelernter Koch mangelt es Waldemar Schefner nicht an Kreativität. Dennoch fragen sich die Betrachter beim Anblick der von ihm geschaffenen Kunstwerke immer, „wie er das denn geschafft” habe.
Der 26-Jährige hat eine ganz besondere Fertigkeit: Aus handelsüblichem Obst und Gemüse gestaltet er beeindruckende Skulpturen. „Alles mit einem kleinen Küchenmesser”, wie der Bad Lippspringer versichert. Über so viel Kreativität freut sich auch sein Arbeitgeber: Waldemar Schefner ist Stellvertretender Küchenleiter in der Zentralküche der Karl-Hansen-Klinik. Hier werden im Durchschnitt täglich 1000 Mahlzeiten zubereitet. „Das ist sozusagen das Tagesgeschäft”, sagt der Koch. Die Ideen für seine Kunstwerke hat er zumeist nach Feierabend. Zu den häufigsten Motiven gehören Tiere, die er aus Früchten kreiert.
Vor zwei Jahren begann Waldemar Schefner damit, aus Obst und Gemüse Kunstwerke zu gestalten. „Da habe ich mich einen ganzen Sommer lang fast nur von Früchten ernährt”, erinnert sich der Künstler aus der Klinikküche. Diesen Titel haben ihm unlängst seine Kollegen verliehen.
Die Patienten der Kliniken des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG), zu der die Karl-Hansen-Klinik gehört, können sich jedoch nur zu besonderen Anlässen an seinen Kreationen erfreuen. Da die MZG-Versorgungs-GmbH auch ein eigenes Catering-Unternehmen betreibt, schnitzt der Koch in erster Linie für externe Veranstaltungen – von der privaten Geburtstagsfeier bis zum Firmenjubiläum mit mehreren Hundert Gästen.
„Mittlerweile fragen Kunden aus einem weiten Umkreis gezielt nach den essbaren Kunstwerken”, freut sich der Catering-Leiter Carsten Schröder. „Diese sind immer der viel bestaunte Höhepunkt unserer Buffets.”
Das Lieblingskunstwerk von Waldemar Schefner ist das „Blumenarrangement auf Wassermelone”. Wenn er die Gäste am Buffet beobachtet, fällt ihm auf, dass viele mit großem Respekt vor den Kreationen stehen bleiben und sich nicht trauen, sie anzurühren. „Dabei ist doch alles essbar”, sagt der Koch. Anfangs sei die Vergänglichkeit seiner Kunst für ihn noch ein kleines Problem gewesen: „Ich war schon etwas traurig, wenn alles nach und nach verspeist wurde, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt”.
Außerdem gehöre das zu seinem Beruf dazu. Und wenn die Gäste am Ende Waldemar Schefner für seine essbare Kunst in höchsten Tönen loben, dann ist ihm das die größte Anerkennung.

Alles essbar: Waldemar Schefner präsentiert eine seiner „Kreationen aus der Klinikküche”.
Foto: Heiko Appelbaum
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