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Menschen, bei denen der Kehlkopf entfernt wurde, verlieren die Möglichkeit, über Mund und Nase zu atmen. Mit dem Riechen und den Geschmacks-einschränkungen verlieren sie ein großes Stück Lebensqualität.
Auch fehlt ihnen die Warnfunktion des Riechens, etwa bei Brandgeruch.
In der logopädischen Abteilung der Cecilien-Klinik in Bad Lippspringe wurde die Therapie des Riechens mit Zungenbewegungen nach einem niederländischen Modell weiterentwickelt. Dadurch ist es den Betroffenen möglich, das Riechen wieder zu erlernen.
Silja Discher, Logopädin an der Cecilien-Klinik des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) Bad Lippspringe, hat einen Riechtrainer entwickelt, der in der Klinik bereits erfolgreich eingesetzt wird.

„Die Grundidee stammt aus den Niederlanden“, sagt Silja Discher. „Die Logopädinnen im Krebsinstitut in Amsterdam, dem Netherlands Cancer Institute, haben im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen herausgefunden, dass 20 Prozent der Kehlkopflosen nach der Operation noch riechen können. Das liegt an einer bestimmten Zungenbewegung, die Luft in die Nase bringt. Diese Bewegung üben wir mit den Patienten in der logopädischen Therapie.“
Die Niederländer entwickelten seinerzeit einen ersten Prototyp eines Instruments, mit dem die Patienten den erforderlichen Sogaufbau im Mund sichtbar machen und so leichter trainieren können.
Bei Silja Discher reifte der Wunsch, für ihre tägliche Arbeit in der Cecilien-Klinik einen eigenen Riechtrainer zu konstruieren. Sie und Johannes Koll von der HKT Medizintechnik GmbH aus Altenberge experimentierten mehrere Monate lang mit diversen Zubehörteilen aus der Medizintechnik. „Eine hohe Hürde war die Gewährleistung der Hygiene“, sagt die Logopädin. Alle wiederverwendbaren Einzelteile müssen sich einfach sterilisieren lassen. In Kooperation mit HKT entstand das erste Modell des Discherschen Riechtrainers.
Die Patienten waren vom ersten Tag des Einsatzes an begeistert. „Nahezu alle Nutzer können nach dem Verwenden des Trainers wieder riechen und besser schmecken“, freut sich Silja Discher. Erfahrungsgemäß dauert es einige Tage, bis die Patienten mit Hilfe des Riechtrainers in der logopädischen Therapie die neue Riechtechnik erlernt haben.
Dass der Riechtrainer den Kehlkopflosen einen Teil der verloren gegangenen Lebensqualität zurückgeben kann, ist für die Logopädin eine große Freude und sie weiß, dass die Entwicklungsarbeit nicht umsonst war.
„Mir geht es darum, dass sich dieses Hilfsmittel zum Wohle der Betroffenen möglichst weit verbreitet“, sagt die Klinik-Mitarbeiterin. Daher hat sie auch kein Patent angemeldet und ihre Idee zur Nutzung freigegeben. „Da es relativ gesehen nur wenige Betroffene gibt, wird der Trainer kein Massenprodukt“, weiß Silja Discher. Einige Medizinprodukte-Hersteller haben auf Basis des Riechtrainers eigene Geräte entwickelt und besetzen damit eine Marktnische.

So funktioniert der Riechtrainer von Silja Discher:

Menschen, denen der Kehlkopf entfernt wurde, atmen durch ein Tracheostoma.
Das ist ein künstlicher Eingang zur Luftröhre im Halsbereich. Die Atemluft wird also nicht mehr über die Nase geführt, in der die für den Geruchs- und Geschmackssinn verantwortlichen Riechzellen liegen, das olfaktorische Epithel.
Durch eine bestimmte Zungenbewegung können Betroffene einen Teil der Umgebungsluft wieder in die Nase leiten. Diese Technik lässt sich durch den Riechtrainer leichter lernen. Dabei verbinden die Patienten das kleine Gerät mit der Nase und versuchen, durch das Senken und Heben der Zunge im Mund in dem Kolben des Riechtrainers einen Unterdruck zu erzeugen. Ein kleiner Stopfen, der damit bewegt wird, zeigt direkt den Erfolg an. So wird die bewegte Luft sichtbar gemacht. Diese Art des Riechens ist unabhängig von der Atmung. Die Patienten müssen lernen, die automatische Einatmung beim Riechen wegzulassen, was sehr anspruchsvoll ist. Das Riechen wird im Verlauf der Therapie weiter aktiviert und dann geübt, bis es im Alltag selbstverständlich genutzt werden kann.

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Silja Discher präsentiert den von ihr entwickelten Riechtrainer.

Foto: Heiko Appelbaum

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