Schriftgröße:

Hinter dem Wortungetüm „Obstruktives Schlafapnoesyndrom“ verbirgt sich eine Volkskrankheit. Diese raubt immer mehr Menschen den Schlaf. Fatal: Die Betroffenen merken nichts davon, denn sie wachen nicht auf, während ihre Atmung im Schlaf für manchmal eine Minute oder länger aussetzt. Acht bis zehn Prozent der Bevölkerung sind in Deutschland betroffen!
Die Folgen zeigen sich im Alltag deutlich: Auch wenn man acht oder zehn Stunden geschlafen hat, ist die erforderliche Erholung nicht eingetreten. Konzentrationsstörungen und der berüchtigte Sekundenschlaf sind nur zwei Ausprägungen der Schlafapnoe. Auch Herzkrankheiten, Depression und Diabetes II gehören dazu.
„Während Krebserkrankungen und der Herzinfarkt in aller Munde sind, ist Schlafapnoe die große Unbekannte“, mahnt Dr. Wilfried Böhning. Er ist Chefarzt in der Karl-Hansen-Klinik (KHK) Bad Lippspringe und leitet dort seit langen Jahren das Zentrum für Schlafmedizin.
Ihm ist es ein Anliegen, das gefährliche Leiden auch als wesentlichen Faktor bei anderen schweren Erkrankungen vermehrt in die öffentliche Diskussion zu bringen. Daher nimmt er auch immer wieder an Kongressen und Symposien im In- und Ausland teil.
Einen neuen Impuls in der Behandlung der Obstruktiven Schlafapnoe verspricht eine Technik, die seit kurzem zur Verfügung steht: die periphere Nervenstimulation für die Muskulatur der Zunge, ähnlich einer Herzschrittmacherbehandlung. „Diese Technik soll eine Bereicherung in der Behandlung darstellen“, sagt Böhning. „Das gilt besonders vor dem Hintergrund der häufig von Patienten wenig akzeptierten nächtlichen Beatmungsbehandlung, auch wenn diese sehr effektiv ist.“
Seit diesem Jahr ist die Periphere Nervenstimulation offiziell im ärztlichen Leistungskatalog enthalten und kann mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Böhning freut sich über diesen „Meilenstein, der dem neuen Verfahren zu größerer Akzeptanz und Verbreitung verhelfen könnte“.
Der Eingriff selbst ist einfach erklärt: Bei den Patienten wird im Halsbereich operativ eine Elektrode am peripheren Nerven, dem Nervus Hypoglossus, eingesetzt. Die Elektrode stimuliert diesen Nerv, der dann zur kurzzeitigen Anspannung der Zungenmuskulatur führt. Hierdurch werden die Zunge nach vorne gezogen und der Atemweg erweitert.
Die Experten im Schlafmedizinischen Zentrum der KHK haben in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Benedikt J. Folz, Chefarzt der HNO-Klinik in der Karl-Hansen-Klinik, Erfahrungen mit der Einstellung der „Zungenschrittmacher“ gemacht. Die Einstellung muss stationär in der Klinik erfolgen.
Zu diesem Thema hat Dr. Wilfried Böhning für den 23. März 2016 in Bad Lippspringe einen Workshop mit dem Titel „Quo vadis Schlafapnoesyndrom?“ organisiert. Dabei haben Experten im Kreise ihrer Kollegen die Möglichkeit, sich über das neue Verfahren zu informieren.

03zungenschrittmacher be

Dr. Wilfried Böhning (links) und Prof. Dr. Benedikt J. Folz diskutieren das neue Verfahren: die Periphere Nervenstimulation.

Foto: Heiko Appelbaum

Suche


 

Pressemitteilungen

Hygiene

Infos für Patienten und Besucher

Wissenswertes zur Hygiene in unseren Kliniken.

Weiterlesen ...

Nächste Termine